Über das Projekt

Das Forschungsprojekt PragmatiKK untersucht, warum Stressprävention in Kleinst- und Kleinunternehmen wenig verbreitet ist. Auf Grundlage der Ergebnisse entwickeln die Projektbeteiligten ein kostengünstiges Angebot speziell für diese Zielgruppe.

Zeitrahmen und Förderlinie

Das Projekt ist auf einen Forschungszeitraum von vier Jahren angelegt. Es wird im Rahmen des Forschungsschwerpunktes „Gesund – ein Leben lang“ durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Problemlage

Durch die Arbeit bedingter Stress ist ein häufiges Phänomen in der modernen Arbeitswelt, das auch in Kleinst- und Kleinunternehmen (KKU) auftritt. Gegenmaßnahmen zur Vermeidung von Arbeitsstress und seiner gesundheitlichen Folgen im Rahmen einer integrierten Gefährdungsbeurteilung sind zwar prinzipiell vorhanden, sie finden in KKU aber kaum Anwendung. Daten der Europäischen Arbeitsschutzbehörde zeigen beispielsweise, dass in Deutschland nur ein Bruchteil aller Unternehmen eine Managementstrategie zur Reduktion von psychischen Arbeitsbelastungen hat, wobei die Verbreitung in KKU nochmals geringer ist. Wie hierauf reagiert werden kann ist bislang unklar, denn aussagekräftige Forschung zur Implementation von Stressprävention im Betrieb fehlt weitgehend. In ihrem aktuellen Report über Ansätze zur Förderung von Prävention in KKU kommt die Europäische Arbeitsschutzagentur EU-OSHA daher zu einem ernüchternden Fazit: Das Wissen über funktionierende Interventionen in KKU sei bestenfalls als fragmentarisch zu bezeichnen. Insbesondere, so die Agentur, mangele es an Ideen bzgl. langfristiger Strategien zur praktischen Implementation von Maßnahmen der Stressprävention in KKU.

Lösungsansatz des Projekts

Das Forschungsprojekt PragmatiKK hat das Ziel, diese Lücken auf Basis eines umfassenden interdisziplinären Forschungsansatzes zu schließen. Zum einen werden die Gründe für fehlende Angebote zur Stressprävention in KKU erforscht. Zum anderen werden konkrete Lösungsvorschläge in Form eines internetbasierten Angebots für kostengünstige und dennoch wirksame Angebote entwickelt. Diese Plattform umfasst grundlegende Informationen zur Stressprävention, konkrete Verfahren zur Messung und Bekämpfung von Stress, zugeschnittene Anti-Stress-Trainings und eine individuelle Beratung bei der Verwirklichung aller wichtigen Umsetzungsschritte.

An der Umsetzung des vierjährigen Projekts (01.09.2018 bis 31.08.2022) sind verschiedene Verbundprojektpartner beteiligt, welche die komplexen Forschungs- und Entwicklungsaufgaben aus unterschiedlichen fachlichen Richtungen gestalten (siehe Abbildung 1). Das Ergebnis der inter- und transdisziplinären Zusammenarbeit ist ein pragmatisches, kostengünstiges und leicht anwendbares Verfahren zur Vorbeugung von Stress, das besonders KKU anwenden können, um die Gesundheit ihrer Beschäftigten professionell zu verbessern.

Vorgehensweise

Strukturell gliedert sich das Projekt entlang der Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit Maßnahmen der betrieblichen Prävention nachhaltig implementiert werden:

  1. die grundsätzliche Bereitschaft, sich mit Stressbelastungen zu beschäftigen, muss sowohl bei Unternehmer/innen als auch bei Mitarbeiter/innen vorhanden sein;
  2. es braucht entsprechendes Wissen und praktische Fähigkeiten, um Maßnahmen der Verhältnis- und Verhaltensprävention konkret durchzuführen;
  3. Motivation und Ressourcen müssen über Einzelprojekte hinaus langfristig gesichert werden. Diese Voraussetzungen sind offensichtlich in vielen KKU derzeit nicht erfüllt.

Daher werden zunächst für die jeweiligen Voraussetzungen Barrieren und Möglichkeiten ihrer Überwindung in KKU mit quantitativen und qualitativen Verfahren der Gesundheits-, Sozial-, Wirtschafts- und Kommunikations-forschung untersucht. Auf Basis der Ergebnisse werden jeweils praktische Lösungen für die Realisation der einzelnen Voraussetzungen entwickelt (z.B. zielgruppenspezifische Kommunikationsstrategien, einfache Instrumente zur Durchführung von Prävention, niedrigschwellige Beratung). Diese Lösungen sollen einfach, pragmatisch und ohne Vorkenntnisse anwendbar sein. Die Teillösungen werden in ein kostengünstig zu betreibendes und auf die Zielgruppe zugeschnittenes webbasiertes System integriert, dessen Implementation als Ganzes in Kooperation aller Partner empirisch untersucht wird.